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Schätzung im Steuerrecht
Teil 2

Mathematisch-statistische Methoden

Wenn das Finanzamt Ihre Gewinnermittlung als unrichtig oder formell unzureichend betrachtet, kann es Ihre Gewinne auch mithilfe von mathematisch-statistischen Methoden schätzen. Dank Computern und moderner Software ist diese Art der Schätzung für Betriebsprüfer heutzutage sehr einfach durchzuführen.

Zudem empfindet die Finanzverwaltung diese Schätzungsmethoden offenbar als sehr attraktiv. Denn eine Anwendung mathematisch-statistischer Methoden vermittelt den Eindruck, dass das Ergebnis der Schätzung auf einer soliden wissenschaftlichen Basis beruht. In der Wirklichkeit sind jene Berechnungen oft fehlerhaft. Der Steuerpflichtige ist allerdings aufgrund der Komplexität der Schätzungsmethoden oftmals nicht in der Lage dies zu erkennen und gegenüber dem Gericht darzulegen. Glücklicherweise haben die Finanzgerichte und der BFH dieses Problem inzwischen erkannt und entscheiden immer wieder zugunsten der Steuerpflichtigen.

So war bis vor kurzem der sogenannte Zeitreihenvergleich die am weitesten verbreitete mathematisch-statistische Schätzungsmethode. Die Finanzverwaltung ermittelte dabei die wöchentlichen Rohgewinnaufschläge eines Unternehmens. Wurden starke Schwankungen von einer Woche zur nächsten festgestellt, ging der Betriebsprüfer davon aus, dass die niedrigsten Rohgewinnaufschläge auf verschwiegene Umsätze zurückzuführen sind. Es wurde daher der höchste Gewinnaufschlag genommen und auf den gesamten Wareneinkauf des Jahres angewendet. Dies führte naturgemäß zu hohen Steuernachzahlungen. In seinem Urteil vom 25.3.2015 (Aktenzeichen: X R 20/13) hat der BFH jedoch zahlreiche Mängel dieser Methode aufgedeckt und sehr strenge Anforderung an deren Anwendung gestellt.

Seitdem wendet die Finanzverwaltung die Methode des Zeitreihenvergleiches in einer etwas abgewandelten Form an. Es handelt sich um eine sog. Quantilsschätzung. In dem Beschluss vom 12.07.2017 (Aktenzeichen: X B 16/17) hat sich der BFH nun auch mit dieser Schätzungsmethode auseinandergesetzt. Das oberste Steuergericht hat entschieden, dass zumindest bei summarischer Prüfung die Quantilsschätzung genau so problematisch wie der übliche Zeitreihenvergleich sein kann. Mehr dazu können Sie in meinem Rechtstipp bei anwalt.de nachlesen.

Neben den eigentlichen Schätzungsmethoden gibt es auch zahlreiche weitere Prüfungsverfahren, mit denen das Finanzamt versucht die (oft vermeintlichen) Steuerverkürzungen aufzudecken. So wird beispielsweise der Chi-Quadrat-Test verwendet um festzustellen, ob die aufgezeichneten Beträge der Tageseinnahmen manipuliert wurden. Die Plausibilität der erzielten Umsätze wird außerdem anhand der logarithmische Normalverteilung geprüft.

Eins haben aber all diese Methoden gemeinsam: die Finanzbeamten führen komplizierte Berechnungen mithilfe von Computerprogrammen unter Zeit- und Leistungsdruck durch. Es werden daher oft die wissenschaftlichen Anforderungen an die jeweilige Methode nicht genau beachtet und die Anwendbarkeit der mathematisch-statistischen Verfahren im konkreten Fall nicht hinterfragt. Daher meine Empfehlung an die Steuerpflichtigen: Lassen Sie sich nicht von schönen Tabellen und Diagrammen des Betriebsprüfers einschüchtern. Oft genug unterlaufen der Finanzverwaltung handwerkliche Fehler, welche die Schätzung insgesamt unbrauchbar machen.